LSVT© Stimm- und Sprechstörung bei der Parkinson-Krankheit
von I. Wellinger, Logopädin an der
Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Im folgenden erhalten Sie Informationen zu dem in unserer Klinik speziell für Patienten mit Parkinson-Krankheit durchgeführten LSVT© - Lee Silverman Voice Treatment. Typische Zeichen einer
Parkinson-Krankheit sind die Verlangsamung der Bewegungen (Akinese), die
Steifigkeit der Muskulatur (Rigor) und bei einigen Patienten das Zittern in Ruhe
(Ruhetremor). Die Erkrankung betrifft häufig nicht nur die Motorik der
Gliedmaßen, sondern auch die für Sprechen, Stimmgebung und Schlucken
verantwortliche Muskulatur. Tatsächlich hat ein hoher Anteil der Patienten
Sprech- und Stimmprobleme (= Dysarthrophonien), die die Verständigung im Alltag
erheblich einschränken können und damit die Tendenz zur sozialen Isolation
verstärken. Typische Symptome einer Parkinson-Dysarthrophonie sind eine leise,
raue, behauchte sowie monoton klingende Stimme, eine undeutliche Aussprache und
ein überhastetes Sprechen.
Herkömmliche Ansätze der
Therapie setzen wie bei anderen Dysarthrophonien in allen Störungsbereichen an,
das heißt, es werden z.B. Übungen zum Haltungsaufbau und zur Mimik, der
Koordination von Atmung und Sprechen, zur Präzisierung von
Artikulationsbewegungen, zur Verbesserung der Kontrolle des Sprechtempos und der
Satzmelodie, zur Stimmkräftigung etc. durchgeführt. Ein häufig beobachtetes
Problem ist dabei die weitgehende Beschränkung der Therapieerfolge auf die
Übungssituation. Der Transfer in die Alltagssituation ist dagegen oft nicht
befriedigend. Ein speziell für die
Behandlung der Sprech- und Stimmstörungen von Patienten mit Parkinson-Erkrankung
entwickeltes, wissenschaftlich erprobtes Therapieprogramm ist das
LSVT©
- Lee Silverman Voice Treatment. Durch zahlreiche
Evaluationsstudien konnten ein sehr guter Transfer des LSVT auf den Alltag und
die Nachhaltigkeit der Wirkung belegt werden. Eigene Erfahrungen im klinischen
Alltag bestätigen die hohe Effektivität dieses Stimmtrainings. Die Methode, die von den
amerikanischen Sprachtherapeutinnen L.O. Ramig und C. Mead im Jahre 1987
entwickelt und nach einer der ersten damit behandelten Patientinnen benannt
wurde, unterscheidet sich von anderen Ansätzen dadurch, dass eine
Verbesserung der Verständlichkeit der Sprache ausschließlich über das Erhöhen
der Sprechlautstärke angestrebt wird. Nach dem Motto „All you need is loud“
werden in einem vierwöchigen Intensivprogramm regelmäßig Übungen zur
Verbesserung der Stimmfunktion und Sprechlautstärke durchgeführt. LSVT
-
Warum steht die
Lautstärke und damit die Stimmfunktion im Mittelpunkt der Therapie?
Es gibt Hinweise in verschiedenen
Untersuchungen, dass der Stimme eine Schlüsselrolle im Sprechsystem zukommt. So
hat sich gezeigt, dass intensives Stimmtraining häufig auch deutliche
Verbesserungen anderer Funktionsbereiche des Sprechens wie der Atmung, der
Aussprache und der Satzmelodie bewirkt (sogenannte „cross-over“-Effekte). Durchführung und
Vorteile des LSVT
Das Programm besteht zum
einen aus drei Grundübungen zur Stimmkräftigung und Erweiterung des
Stimmumfangs, die über den gesamten Zeitraum täglich wiederholt werden und einem
hierarchisch aufgebauten Sprechtraining, das der Übertragung der erarbeiteten
Lautstärke auf die Sprechstimme dient. Durch die Basisübungen werden die pathologisch veränderten muskulären Verhältnisse bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung günstig beeinflusst. Beispielsweise soll durch die vermehrte Anstrengung, die für eine höhere Lautstärke erforderlich ist, die Hypokinese (= Verminderung des Bewegungsumfangs) überwunden und damit ein verbesserter Stimmbandschluss und eine stabilere Stimmgebung erzielt werden.
Neben der einfachen,
klaren Struktur des Trainings und seinem systematischen Aufbau ist ein
entscheidender Vorteil die sofortige Übertragung der lauteren Stimme in den
Alltag. Bereits am ersten Tag der Durchführung soll der Patient die erarbeitete
Lautstärke anhand einiger kurzer Äußerungen anwenden. Dies steigert sich im
Verlauf der Therapie bis zur freien Konversation. Die regelmäßige Erhebung
und Protokollierung von Übungsdaten (Lautstärke, Tonhaltedauer und Stimmumfang)
ermöglicht ein klares Feedback für den Patienten und eine kontinuierliche
Erfolgskontrolle. Für weitere Informationen zum LSVT stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit! Das Team der Klinik Hoher Meißner
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