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Rehabilitation
Parkinson-Krankheit


von Dr. med. Carsten Schröter

Übersicht:

Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Einleitung
Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Training motorische Funktionen durch Physiotherapie und
                                                             Ergotherapie

Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Therapie der Sprech- und Schluckstörungen durch Logopädie  
Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Krankheitsverarbeitung – Die psychologische Betreuung
Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Sozialmedizinische Gesichtspunkte

Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Einleitung  

Die Behandlung in der Rehabilitation der Parkinson-Krankheit setzt sich aus der medikamentösen Einstellung, der Krankengymnastik (Physiotherapie), Ergotherapie und Logopädie zusammen. Nicht vergessen werden dürfen aber bei Bedarf auch Psychologie und die Sozialarbeit. Im folgenden sollen die verschiedenen Bereiche kurz dargestellt werden. Da die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit  viele verschiedene Substanzen umfasst, wurde für diesen Bereich die Darstellung auf einer separaten Seite (www.krankheit-parkinson.de/medikamente) gewählt.  

Die Behandlung muss unter regelmäßiger ambulanter neurologischer oder nervenärztlicher Behandlung erfolgen. Die verschiedenen Therapiefacetten haben die Aufgabe die Funktionen und die Selbständigkeit zu erhalten. Zudem sind aber zur Verbesserung latent vorhandener Funktionen zeitlich begrenzte stationäre Behandlungen in mit dem Krankheitsbild erfahrenen
Rehabilitation
skliniken notwendig. Hier werden neben einer weiteren Anpassung der Medikation auch die übrigen oben genannten Therapien häufiger und intensiver als ambulant möglich durchgeführt. 

Rehabilitation - Parkinson-Krankheit motorische Funktionen durch Physiotherapie und Ergotherapie

Zu den wesentlichen Zielen der Rehabilitation zählt es, die motorischen Funktionen zu erhalten, die Haltungsregulation zu aktivieren. Es sollen die motorische Reaktionsfähigkeit verbessert und die Tonusverhältnisse reguliert werden. Der Bewegungsantrieb und Bewegungsfluss kann durch innere und äußere Taktgebung optimiert werden.  

In der Frühphase des Parkinson - Syndroms, in der der Patient voll belastet werden kann, setzt die aktive Physiotherapie an den Kardinalsymptomen, Akinese, Rigor und Tremor an. Ziel ist es, die gewohnte Lebensführung und gegebenenfalls die Berufstätigkeit möglichst lange zu erhalten. In diesem Stadium sind auch Gruppentherapien möglich. Bei Fortschreiten der Erkrankung, insbesondere beim Auftreten von Fluktuationen, also Wechsel des Ausmaßes der Symptomatik, muss die Krankengymnastik vorwiegend als Einzeltherapie erfolgen. Bei Vorliegen akinetischer Störungen wird die Korrektur von Sitz, Körperhaltung und Gang, eventuell auch an der Hypomimie (= verringerte Ausdrucksbewegungen) gearbeitet. 

Es erfolgt das Beüben von Lagewechsel, Bewegungsübergängen und Gleichgewichtsreaktionen im Stand. Im Rahmen der Gangschulung werden die Verlängerung der Schrittlänge, Verbreitung der Spurbreite, Sicherheit beim Richtungswechsel, Übungen von Engpasssituationen, z.B. Gehen durch Türen und über Türschwellen sowie das Treppensteigen geübt. Beim Rigor werden hauptsächlich die sich daraus ergebenden Störungen der Bewegungen trainiert. Hierzu zählen beispielsweise die Drehbewegungen von Kopf und Rumpf. Zum besseren Aufrechterhalten der erlernten Bewegungsabläufe ist es vorteilhaft, die Bewegungen regelmäßig durchzuführen und sie mit zusätzlichen stimulierenden Techniken zu koppeln. Dies können besonders bei Problemen, Bewegungen zu beginnen - der so genannten Starthemmung - akustische, visuelle, taktile Reize sein oder spezielle Fremd- oder Eigenkommandos.  

Ein weiterer Schwerpunkt in der Rehabilitation liegt in der meist ergotherapeutisch betriebenen Verbesserung der Feinmotorik. Es werden, da Zielbewegungen oft zu kurz durchgeführt werden, großflächige Bewegungen geübt.  

Besonders quälend für den Patienten kann der Tremor sein. Die Physiotherapie kann ihn zwar nicht unterbinden, aber durch besondere Strategien mindern. Hierzu gehören z.B. beim Schreiben das feste Drücken der Unterarme auf eine Unterlage. Ein Beintremor kann durch Drücken der Beine an das Stuhlbein gemindert werden.  

Bei Patienten mit einem leichten Parkinson-Syndrom kann das Laufband Einsatz finden. Bei Patienten mit schweren Gang- und Gleichgewichtsstörungen kann der Gangtrainer von Bedeutung sein. Bei dem Gangtrainer handelt es sich um ein Gerät, in dem der Patient durch einen Gurt gesichert wird. Die Gehbewegungen werden durch bewegliche Plattformen für beide Füße unterstützt (s. u.). Sowohl nach dem Üben im Gangtrainer wie auf dem Laufband sollte sich eine Behandlung des Gehens auf normaler Ebene anschließen.

Gangtrainerbild 1     Der Gangtrainer  

Ergänzend kann unter Ausnutzung des Auftriebs das Bewegungsbad sinnvoll sein. Bewegungen sind dort leichter möglich. Im Wasser ist eine Muskelentspannung zu erreichen, die Rigor und Schmerzen durch Verspannungen lindern kann.  

Wegen der oft beobachteten Kreislaufregulationsstörungen mit niedrigen Blutdruckwerten, die besonders beim schnellen Aufstehen zu Problemen führen können, werden zudem Kneippsche Güsse angewendet. Aus dem gleichen Grunde heraus ist Wassertreten anzuraten. Durch Bewegungsmangel können weiter Schmerzen und Kontrakturen auftreten. Durch regelmäßige Physiotherapie kann diesen Störungen vorgebeugt werden. Auch wird die Belüftung der Lunge gefördert.  

Rehabilitation bei Parkinson-Krankheit – Therapie der Sprech- und Schluckstörungen durch Logopädie

Der Verlauf der Parkinson-Krankheit geht in nahezu allen Fällen mit Störungen des Sprechens und in etwa 30-50% der Fälle mit Störungen des Schluckens einher. Die Stimme ist rau und verhaucht. Die Sprachgeschwindigkeit ist oft hoch und nimmt während des Sprechens noch zu. Durch eine medikamentöse Behandlung kann die Schwere deutlich gemindert werden. Zusätzlich kann bereits in der Frühphase der Erkrankung eine sprechtherapeutische Behandlung einsetzen, um dem Patienten übende und kompensierende Verfahren zum möglichst langen Erhalt seiner Fähigkeiten zu vermitteln. Die Sprechstörung hat ihre Ursache in den Bereichen der Sprechmotorik, der Stimmgebung und der artikulatorischen Bewegungsprogrammierung. 

Ebenso ändert sich die beim Gesunden selbstverständlich und unbewusst korrekt durchgeführte Steuerung des Atmens, was Auswirkungen auf das Sprechen hat. Diese Bereiche wie auch die Schluckstörungen stellen Aufgabenbereiche der Logopädie dar. Dabei ist das symptomorientierte Üben von Atmung, Stimmgebung und Artikulation ein zentraler Bestandteil. Durch spezielle Schlucktechniken werden gestörte Funktionen kompensiert. Wichtig ist auch die Beratung des Betroffenen und seiner Angehörigen. In ein Kommunikationstraining können neben dem Patienten auch die Angehörigen einbezogen werden. Das Lee-Silverman-Voice-Treatment erscheint als geeignetes Therapiekonzept zur Behandlung von Respirations- und Phonationsstörungen. Weitere Informationen zum Lee-Silverman-Voice-Treatment finden Sie auf unserer Seite www.krankheit-parkinson.de/lsvt

Hinsichtlich des Schluckens fallen gestörte Kontrolle und Transport der Speise im Mund auf, bedingt durch eine eingeschränkte Beweglichkeit von Zunge, Unterkiefer und Gaumensegel. Speisen, Flüssigkeit und Speichel bleiben im Rachenbereich hängen. Die Kehlkopfhebung und der Verschluss des Kehldeckels sind verlangsamt. Hier liegt der Schwerpunkt vor allem auf kompensatorischen Maßnahmen. Diese beinhalten die Verordnung geeigneter Diäthilfen, die Arbeit an der Körperhaltung und an der Positionierung der Nahrung sowie das Einüben spezieller Schlucktechniken.  

Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Krankheitsverarbeitung – Die psychologische Betreuung in der Rehabilitation

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit und das Erleben von körperlichen Einschränkungen macht zunächst Angst. Durch die langsam fortschreitende Erkrankung ändert sich das Leben des Erkrankten wie auch seiner Familie. Zur Unterstützung der kognitiven Auseinandersetzung mit der Störung benötigt der Patient ärztliche Informationen über die Erkrankung und die heute differenzierten Möglichkeiten der Behandlung. Die emotionale Auseinandersetzung wird gefördert durch psychologische Einzel- oder Gruppengespräche. Hierfür sind auch Selbsthilfegruppen sinnvoll. Die Beratung, Anleitung und Betreuung der Angehörigen stellt ebenfalls eine Facette der Rehabilitation dar.  

Ergänzend ist das Erlernen von Entspannungstechniken sinnvoll und empfehlenswert. Hierzu gehört zum Beispiel die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Kurse werden während der Rehabilitation angeboten, können aber auch ambulant absolviert werden. Krankenkassen und Volkshochschulen bieten die Kurse teilweise an. Wichtig ist, dass die Techniken regelmäßig weitergeführt werden.

Rehabilitation - Parkinson-Krankheit – Sozialmedizinische Gesichtspunkte  in der Rehabilitation

Eine Rehabilitation von Patienten mit der Parkinson-Krankheit muss die sozialmedizinischen Faktoren berücksichtigen. Diese können von der Organisation der weiteren Versorgung des Patienten nach der Entlassung über die Beratung hinsichtlich Pflege- und Schwerbehindertenrecht bis zu Klärung der beruflichen Wiedereingliederung reichen. Zur Einschätzung der beruflichen Anforderungen werden gegebenenfalls spezifische Arbeitsplatz- und Tätigkeitsanalysen durchgeführt. Notwendige Veränderungen des Arbeitsplatzes werden vorgeschlagen. Kann der bisherige Arbeitsplatz krankheitsbedingt nicht mehr eingenommen werden, sind meist auch andere berufliche Tätigkeiten meist nicht mehr zumutbar. Dann erfolgt die Empfehlung der Berentung.

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Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.


Mit den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit  

Dr. med. Carsten Schröter

Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen

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